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Neues von der Flatratefront

Über Wochen Monate habe ich jetzt an der neuen Version von simonhirscher.de gearbeitet. Dadurch, dass auf der Startseite bisher ja nur ein einziger Artikel zu sehen war, konnte ich natürlich nicht anders, als doch noch einmal über die Kulturflatrate nachzudenken. Zu Punkt 2 meines Artikels und Thaniells Vorschlag, den ich zitierte, fiel mir nun folgendes ein, was vielleicht doch eine Möglichkeit darstellen könnte, die Kulturflatrate sinnvoll umzusetzen:

Künstler könnten einen “Pay me”-Button (anstelle der bekannten Donate-Buttons für PayPal) auf ihrer Website platzieren. Klickt der Nutzer darauf, landet er bei der offiziellen Website für die Kulturflatrate, wo er sich daraufhin digital authentifiziert.* Der Künstler bzw. Urheber landet daraufhin für einen bestimmten Zeitraum (z.B. 1 – 2 Monate) auf seiner persönlichen Gehaltsliste. Ebenso kann er auch direkt über die Seite nach Künstlern suchen, die vielleicht keine Website bzw. keinen Button haben. Vergisst er einen Monat einmal komplett, Urheber auf seine leere Liste zu setzen, wird er eben per Mail daran erinnert. (Ansonsten richtet sich die Verteilung seiner Gebühren eben nach den Angaben der restlichen Nutzer.)

Auf diese Weise wird auf Seiten der Konsumenten** gleichzeitig auch ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Kultur etwas kostet. Da die Nachfrage aber nur schwer direkt messbar ist, muss eben auf derartige indirekte Mittel zurückgegriffen werden. Ich gehe davon aus, dass dieses Bewusstsein die Menschen letztlich dazu bewegen wird, die von ihnen zu entrichtende “Zwangsgebühr” nicht etwa indirekt ihren Enkeln, Brüdern, Eltern etc. zuzuschieben, sondern wirklich den Künstlern zukommen zu lassen, deren Werke sie durch dieses System im Besonderen fördern können. Ein solches System schafft außerdem die Transparenz, an der es GEZ und GEMA mangelt. (Ich weiß, es sind zwei völlig verschiedene Konzepte, aber es hat ja einen Grund, weshalb sie oft in einen Topf geworfen werden.)

Ebenso wird der Staat auch nicht in die Lage versetzt, darüber entscheiden zu müssen, was Kultur ist und was nicht. Im Prinzip könnte sich jeder als Künstler anmelden und wird entlohnt, sofern es einen Markt für seine Kunst gibt. Vielleicht wäre ein einmaliger Nachweis darüber, dass er etwas urheberrechtlich schützenswertes geschaffen hat, notwendig, um “Registrierungsspam” zu vermeiden, aber über diese winzige Zugangsbeschränkung hinaus ist es aus meiner Sicht durchaus möglich, dieses Modell mit den Prinzipien des freien Marktes in Einklang zu bringen. Eine explizite Förderung bestimmter Kulturgüter durch den Staat wird dadurch im Übrigen nicht ausgeschlossen.

Sicherlich steht und fällt dieses System auch ein wenig mit der Unterstützung durch Software-Hersteller und die Künstler selber, aber dennoch ist es nicht zwingend abhängig davon. Entwickler von Programmen wie Winamp oder Banshee (Linux), könnten erfassen, welche Interpreten vom Nutzer besonders häufig gehört werden und ihm so vorschlagen, welche er auf seine Liste setzen kann. Der Nutzer könnte aber auch willkürlich entscheiden, welche Künstler er unterstützen will. Empfehlenswert wäre im Sinne oben genannter Transparenz auch, wenn er sehen könnte, wie viel einzelne Künstler insgesamt pro Monat erhalten, um so besser einschätzen können, ob die Künstler das erhalten, was sie verdienen.

Übrig bleibt ein mit Sicherheit nicht zu vernachlässigender Bürokratieapparat. Aber ich glaube, wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Er ist notwendig, wenn Künstler bei einem weiterhin freien Internet entlohnt werden sollen. Immerhin ermöglicht dieses Modell die weitestgehende Entkoppelung der Distribution von der Bezahlung, sodass Künstler auch weiterhin den Vertriebsweg nutzen können, der ihnen am meisten zusagt.

*) Zum Thema Authentifierung: Dies soll ja mit dem neuen elektronischen Personalausweis ohnehin möglich sein. Andere Formen der digitalen Authentifizierung werden beispielsweise bei den Piraten im Rahmen eines Konzepts für Liquid Democracy erörtert.

**) Ich mag das Wort “Konsument” in dem Zusammenhang eigentlich nicht, da es impliziert, dass Kultur “verbraucht” wird, was im Computer-Zeitalter jedoch eindeutig nicht zutrifft.

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